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Die Schlechten fürchten deine Klaue, die Guten freun sich deiner Grazie

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Titelliste:
1. Als ich nachher von dir ging
2. Auf einen chinesischen Theewurzellöwen
3. Der Schneider von Ulm
4. Die Historie vom verliebten Schwein Malchus
5. Kuh beim Fressen
6. Lehre und Meinung  des Galilei
7. Tierverse
8. Über die Berge
9.  Von der Freundlichkeit der Welt
10. Vom armen B.B.
11. Vom Kletterm in Bäumen
12. Vom Schwimmen in Seen und Flüssen
13. Orges Wunschliste
 
Auf einen chinesischen Theewurzellöwen (1951)
Brecht schrieb das Gedicht als Motto für seine von Wieland Herzfelde herausgegebenen "Hundert Gedichte". Herzfelde hatte als Illustration auf dem Schutzumschlag ein kleines Gebilde aus Wurzeln vorgeschlagen, das einem Tier glich, und gab dazu diese Erläuterung: "Figur aus Wurzeln des Theestrauches, im alten China als Glückstier betrachtet und um so höher bewertet, je weniger Schnitzarbeit sie aufweist." Brecht hatte diese Figur im amerikanischen Exil erworben.
 
Als ich nachher von dir ging (1950)
Brecht schrieb die Verse für die Schauspielerin Käthe Reichel, mit der der alternde Dichter ein Verhältnis einging.
 
Der Schneider von Ulm (1934)
In den "Svendborger Gedichten" wird das Aussparen notwendiger Folgerungen, das den Leser, bzw. Hörer zwingt, den logischen Schluß selbst durchzuführen, zu einer oft angewandten Methodik. In der Ballade "Der Schneider von Ulm" ist eine ganze Strophe ausgelassen worden. Es scheint so als behielte der Bischof das letzte Wort. Ausgespart hat Brecht die Tatsache, daß die Geschichte dem Schneider nachträglich recht gegeben hat. Das Gedicht wurde unter dem Titel "Ulm 1592" veröffentlicht und spielt auf die Entdeckung Amerikas durch Kolumbus (1492) an. Der historische Schneider von Ulm hieß Albrecht Ludwig Berblinger. Sein  Versuch, 1811 von der Stadtmauer Ulms über die Donau zu fliegen, mißlang, ohne daß er sich ernsthaft verletzte.
 
Historie vom verliebten Schwein Malchus (1920)
Der Titel dieses Liedes geht auf den Spitznamen zurück, mit dem Brecht einen Konkurrenten belegte, der zur gleichen Zeit wie er Liebhaber von Marianne Zoff war. Die Sonne steht in vielen Gedichten Brechts für Gott. Der Name Malchus ist biblischen Ursprungs. Über seine Art zu leben in jener Zeit schrieb er: "Mit gleichem Gesicht, im Bett genießend und ohne Verantwortung, betrügerisch vielleicht, fähig, über meine Verhältnisse hinauszustoßen, ziemlich kalt, ganz unpolitisch."
 
Kuh beim Fressen (1925)
Dieses Gedicht gehört zu den sogenannten Ausgburger Sonetten, einer Reihe von Texten mit überwiegend derb-erotischem Inhalt.
 
Lehre und Meinung des Galilei (um 1945)
Im zehnten Bild von Brechts Theaterstück "Leben des Galilei" tritt ein Schaustellerpaar auf, welches unter dem Titel "Die erschröckliche Lehre und Meinung des Herrn Hofphysikers Galileo Galilei oder ein Vorgeschmack auf die Zukunft" eine Ballade über eben diese Lehre moritatenhaft zum Besten geben. Der hier vertonten ersten Strophe, welche karikierend die herrschende Meinung jener Zeit wiedergibt, werden weitere Strophen an die Seite gestellt, in denen ebenso satirisch das "Revolutionäre" der neuen Weltbetrachtung Galileis dargestellt wird.
 
Orges Wunschliste (1956)
"Orge" war der Spitzname des Jugendfreundes Georg Pflanzelt aus der Augsburger Zeit.
 
Tierverse (1934)
Brecht schrieb die "Tierverse" für seinen neunjährigen Sohn. Er nannte sie deshalb zunächst "Kleine Lieder für Steff". Die Tier-Anekdoten deuten mit der einleitenden Wendung "Es war einmal." vordergründig zwar einen Bezug zum Kindermärchen an, in Wahrheit stellen sie jedoch gesellschaftliche und politische Gleichnisse dar. Formales Vorbild waren in Schulfibeln gebräuchliche Tierverse. Einige Verse nehmen Bezug auf  bekannte Nazi-Persönlichkeiten: "Es war einmal ein Schwein. Das hatte nur ein Bein." spielt auf Goebbels, den Propagandaminister der NSDAP, an."Es war einmal ein Huhn." ist eine Anspielung auf Hermann Göhring, den Reichstagspräsidenten der Nazis.
 
 
Über die Berge (1950)
Das Lied entstand zusammen mit anderen von ihm so genannten "Kinderliedern", die Brecht für die Schaffung einer neuen Kinder- und Jugendliteratur in der DDR schrieb.
 
Vom armen B.B. (1922)
Dieses Gedicht spiegelt weniger die konkrete Biographie Brechts wieder als vielmehr als das Verhalten und den Charakter des Dichters. Dennoch gibt es autobiographische Bezüge: Brechts Vater stammte aus dem Schwarzwald, "den schwarzen Wäldern".  Die "Asphaltstadt" meint die Stadt Berlin, in die Brecht im Jahr 1922 gekommen war. Titel und Stilisierung des Gedichtes gehen auf einen Text von Francois Villon zurück.
 
Vom Schwimmen in Seen und Flüssen (1919)
Für Brecht und seine Freunde in den frühen Augsburger Jahren war es Brauch, in den Strudeln des Lech zu baden und auf die Bäume der Wolfszahnau zu klettern, "wo man sich nackt in den grünen Wipfeln vom Winde wiegen ließ". (Klaus Völker: Bertolt Brecht)
 
Vom Klettern in Bäumen (1919)
Kurt Tucholsky über das 'Doppelbildnis "Vom Klettern in Bäumen" und "Vom Schwimmen in Seen und Flüssen": "... hier löst sich das Gedicht in Landschaft, der Mensch in Natur auf. (...) Ich hätte es niemals für möglich gehalten, daß es im Zeitalter der Kollektivität noch einmal etwa so grenzenlos Einsames, so Losgelöstes geben könnte. (...) hier (ist) einer mit sich und neben seinem Gott ganz allein. Dieser Gott schwimmt abends wirklich in den Flüssen, und es ist alles wahr, was in diesem Gedicht steht."
 
Von der Freundlichkeit der Welt (1921)
Brecht schrieb diesen Text als "Lied gegen die Ansprüche!". Mitte der fünziger Jahre verfaßte er ein "Gegenlied" dazu. Nach Art seiner für ihn typischen "Gegenentwürfe" kritisiert er den eigenen Text. Dem unpolitisch-existentialistischen Lob der Bescheidenheit setzt er nun den politischen Anspruch auf Teilhabe am Wohlstand dieser Welt entgegen.